03.10.2011 – Orchesterkonzert

3. Oktober 2011, 16.00 Uhr – Georgenkirche Eisenach

Am Tag der Deutschen Einheit findet traditionell ein Festkonzert in der Georgenkirche mit der Mitteldeutschen Barock-Compagney statt.

Programm
Georg Philipp Telemann
Concerto a 6 F-Dur
für Altblockflöte, Fagott, Streicher und Basso continuo
Largo, Allegro, Grave, Allegro
Joseph Haydn
Quartett C-Dur Op. 76 Nr. 3 (Kaiser-Quartett)
für Streichquartett
Allegro, Poco Adagio, Menuetto, Finale
Joseph Haydn Symphony Quintetto nach Sinfonie Nr. 104 “Londoner”
für Flöte, Streichquartett und Cembalo
Adagio, Andante, Minuetto, Allegro Spiritoso
Mitwirkende
Frank-Dietrich Müller Block- und Traversflöte
Christian Seidel Barockfagott
Susanne Kanis Violine 1
Hans-Christoph Fichtner Violine 2
Anne-Marei Holter Viola
Frank Joachim Drechsel Violoncello
Felix Raddatz Kontrabass
Monica Ripamonti-Taylor Cembalo
Karten zum Preis von 10,- Euro sind im Vorverkauf in der Tourismus-Information Eisenach und ab 15.30 Uhr an der Tageskasse erhältlich.
-freie Platzwahl-

Nachdem der seinerzeit berühmteste deutsche Barock-Komponist Georg Philipp Telemann 1712 Eisenach verlassen hatte, führte ihn seine Karriere über Frankfurt/ Main im Jahre 1721 weiter nach Hamburg, wo er die längste Zeit seines Lebens (46 Jahre) bis zu seinem Tode wirkte. Im Jahre 1732, Telemann befand sich in der Hansestadt auf dem Zenit seines Schaffens, wurde in Niederösterreich Joseph Haydn geboren. Mit diesem Namen verbindet sich die musikalische Stilentwicklung vom Barock über den galanten Stil (den auch Telemann noch pflegte) zur frühen Klassik. So gilt Haydn bis heute als Vater der klassischen Sinfonie und des Streichquartetts. Von seinen 107 Sinfonien und 83 Streichquartetten kommen im heutigen Konzert je ein Werk zu Gehör – die Sinfonie Nr. 104 „Londoner“ und das Kaiser-Quartett. Ein Jahr vor Telemanns Tod stieg der 34jährige Joseph Haydn zum 1. Kapellmeister der fürstlichen Familie Esterházy auf, die unweit von Wien residierte. Dort diente Joseph Haydn fast 30 Jahre bis zum Tod des Fürsten Nikolaus Esterházy im Jahre 1790. Zu dieser Zeit weilte der in London wirkende Violinist und Konzertveranstalter Johann Peter Salomon in Deutschland, um neue Sänger und Virtuosen zu engagieren. Als er von Esterházys Ableben erfuhr, reiste er sofort in die Nähe von Wien, um Haydn nach London zu verpflichten. 1791/92 und 1794/95 lebte und arbeitete Joseph Haydn in der britischen Hauptstadt und seine Musik wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. In London entstand u.a. Haydns „Londoner Sinfonie“, die später von Johann Peter Salomon für eine Kammermusikbesetzung umgearbeitet wurde. Diese, von Haydn selbst autorisierte, Version erklingt im heutigen Konzert. Nach Haydns Rückkehr auf den Kontinent ließ er sich in der Nähe von Wien nieder. Hier schrieb Haydn die Kaiserhymne »Gott erhalte Franz, den Kaiser«, die er angeblich schon in England beim Anhören des »God save the King« geplant hatte. Die Melodie der Kaiserhymne ist Thema des 2. Satzes des Streichquartetts, welches im heutigen Konzert erklingt. Knapp 50 Jahre später schuf A. H. Hoffmann zu dieser Melodie einen neuen Text, das „Lied der Deutschen“. Die dritte Strophe dieses Liedes kennen wir heute als Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland.

Um 1800 gab es einen Umbruch in vielen Bereichen des Musiklebens, vorangetrieben durch die gesellschaftlichen Verhältnisse und durch sich ändernde Klangvorstellungen. Bisher wurde die Kunst des Komponierens sowie das Spielen der Instrumente von Meister zu Schüler, vergleichbar dem Erlernen eines Handwerkes, weitergegeben. Ende des 18. Jahrhunderts gründeten sich Conservatorien, an denen man Musik studieren konnte. Es entwickelte sich die „französische Schule“. Ergebnis war eine Standardisierung der Spieltechnik von Instrumenten sowie der Schreibweise von Noten. Auch Spielort und -anlass entwickelte sich. Immer mehr Menschen konnten Konzerte und Opern hören mit der Folge, dass die Konzertsäle und Opernhäuser vergrößert wurden. Um diese Räume akustisch auszufüllen wurden die Orchester mit mehr Musikern als bisher besetzt. Musiker und Instrumentenbauer waren bemüht, durch bauliche Veränderungen den Instrumenten mehr Klang zu geben. Der Stimmton verschob sich immer mehr nach oben, die blanken Darmsaiten der Streichinstrumente wurden ausgetauscht, die Rundbögen wurden durch Bögen in moderner Form abgelöst, die Holzflöten wurden durch Metallflöten ersetzt etc.

In die Anfangszeit dieser spannenden Entwicklung fällt die Schaffensperiode von Joseph Haydn.

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